Straßencafés in München – südliches Lebensgefühl unter weißblauem Himmel

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Als “nördlichste Stadt Italiens” bezeichnet sich die bayerische Metropole gern, und das ist keineswegs nur Koketterie. Allein schon die zahllosen Straßencafés in München verleihen der Stadt ein mediterranes Flair, das inzwischen halb Deutschland mehr oder weniger erfolgreich nachzuahmen versucht. Ob in der Residenzstraße, am berühmten “Platzl” mit seinen vielfältigen Lokalen, auf Schwabings Prachtmeile, der Leopoldstraße, auf dem Viktualienmarkt oder am Marienplatz (um nur einige der bekanntesten Orte zu nennen): Sobald es das Wetter zulässt, spielt sich Münchens gastronomisches Leben weitgehend unter freiem Himmel ab – beziehungsweise unter Sonnenschirmen, wenn’s im Sommer gar zu heiß wird. Also, nehmen Sie Platz und geben Sie sich der “gioia di vivere” hin!

Dauer der Saison: von Januar bis Dezember

Hartgesottene Frischluft-Freaks brauchen nicht einmal sommerliche Temperaturen für das Freiluftvergnügen. Hauptsache, es regnet oder schneit nicht – gegen Frost gibt es schließlich Heizstrahler. So sieht man selbst im Winter häufig warm vermummte Gäste im Freien ihren Cappuccino schlürfen, ihr Weißbier oder ihren Prosecco trinken. Und weil immer mehr Wirte diesem Trend entgegenkommen, findet sich dazu auch fast überall eine Gelegenheit. Über 2.000 Freischankflächen gibt es heute in der Landeshauptstadt, nahezu die Hälfte davon entfällt auf die Innenstadt. Im April 2015 ist die Kreisverwaltung auch Nachtschwärmern entgegengekommen und hat den Zapfenstreich verschoben. Seitdem können Sie von Juni bis August an Freitagen und Samstagen bis Mitternacht vor dem Lokal im Freien sitzen. Dolce vita, wie sie der Süden kennt und liebt!

Luigi Tambosi war als erster da

Das italienischste, vielleicht auch berühmteste, mit Sicherheit aber das älteste durchgehend betriebene Lokal unter den Straßencafés in München ist das Tambosi am Odeonsplatz. Schon seit 1775 trifft man sich hier zum Sehen und Gesehenwerden, zum Plaudern und Genießen. Seit 1844 dürfen sich die Gäste zudem ein bisschen fühlen wie in der Toscana: Die unter König Ludwig I. erbaute Feldherrnhalle schräg gegenüber ist eine originalgetreue Kopie der Loggia dei Lanzi in Florenz. Luigi Tambosi selber, der das Caféhaus im Jahr 1827 erwarb, stammte aus dem norditalienischen Rovereto nahe des Gardasees. Seit 1997 wird das Tambosi von dem Gastronomen-Ehepaar Frank und Andrea Waldecker betrieben.

Und sonst? Wenn Sie bei schönem Wetter die zwei Hauptachsen der Innenstadt entlanggehen – vom Odeonsplatz zum Sendlinger Tor, vom Stachus zum Isartor – können Sie sich fast ununterbrochen dem Gefühl hingeben, auf einer italienischen Piazza zu lustwandeln. Wären nicht dummerweise die Alpen dazwischen, könnte München tatsächlich als “Monaco” durchgehen – aber es ist doch schön, dass wir die Stadt hier in Bayern haben.

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