Erstaunlich, was die Pinakotheken München alles bieten!

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Alte Pinakothek, Neue Pinakothek und Pinakothek der Moderne: Diese drei weltberühmten Häuser in der Münchner Maxvorstadt kennen Sie mit Sicherheit, und sei es nur dem Namen nach. Weniger bekannt ist, dass zu den Pinakotheken München noch zwei weitere Kunstmuseen gehören: das 2009 eröffnete Museum Brandhorst, das sich direkt an das große Museumsareal anschließt, und die Sammlung Schack in der Prinzregentenstraße. Letztere dürfte selbst für manche alteingesessenen Münchner ein Geheimtipp sein – führt sie doch (sehr zu Unrecht) ein kaum beachtetes Mauerblümchendasein abseits der großen Besucherströme. Die vom Kunstmäzen Adolf Friedrich Graf von Schack zusammengetragene Sammlung zeigt vor allem romantische Werke des 19. Jahrhunderts.

Eintritt frei für den Skulpturenpark

Eine andere Attraktion, die gern übersehen wird, ist der “Skulpturenpark Pinakotheken” – ein Freilichtmuseum für sich und jederzeit rund um die Uhr kostenlos zu besichtigen. Auf dem Kunstareal rund um die drei großen Pinakotheken verteilen sich insgesamt 15 Skulpturen bedeutender Bildhauer des 20. und 21. Jahrhunderts – etwa “Miracolo” von Marino Marini (direkt im Eingangsbereich der Neuen Pinakothek), die “Liegende” von Henry Moore oder die 2011 neu aufgestellte skurrile Figur “Present Continuous” des Niederländers Henk Virsch, um nur drei Beispiele anzuführen. In der warmen Jahreszeit sind die ausgedehnten Wiesen zwischen den Pinakotheken übrigens auch ein herrliches und viel genutztes Gelände zum Ausruhen, Sonnenbaden und Picknicken.

Der größte Schatz der Alten Pinakothek: zersägt und wieder zusammengesetzt

Unter den 700 Gemälden der Alten Pinakothek gilt Albrecht Dürers Diptychon “Die vier Apostel” von 1526 als wertvollster Besitz des Hauses. Keine Frage, dass es bei einem Besuch zum Pflichtprogramm gehört. Aber sehen Sie noch einmal ganz genau hin, denn um dieses Gemälde rankt sich eine besondere – und wahre – historische Anekdote. Ursprünglich wurde es als Geschenk Dürers an seine Heimatstadt in Nürnberg aufgehängt. Gut hundert Jahre später entdeckte es dort der bayerische Kurfürst Maximilian I., und es gefiel ihm so gut, dass er seine Überführung nach München erzwang: Kurzerhand ließ er den Nürnberger Stadtrat wissen, dass er das Werk gerne hätte und einen abschlägigen Bescheid als unfreundlichen Akt empfinden würde. Der Stadtrat versuchte die Kostbarkeit noch zu retten, indem er darauf hinwies, dass die Zitate aus der Lutherbibel am unteren Bildrand im katholischen München Anstoß erregen würden. Aber auch davon zeigte sich der Kurfürst unbeeindruckt – er ließ die Schrift einfach absägen und diese Bildteile nach Nürnberg zurückschicken. Erst 1922 wurden die Inschriften in München wieder angefügt.

Computerdesign von gestern – heute ein Grund zum Staunen

In der Pinakothek der Moderne, die sich dem 20. Jahrhundert widmet, können Sie ebenfalls eine interessante Entdeckung machen: Abseits der ausgestellten Autokarosserien in der Design-Abteilung gibt es einen fensterlosen Raum, der auf den ersten Blick leicht zu übersehen ist. Treten Sie ein, und Sie bekommen faszinierende Einblicke in die Frühzeit des Computers. Wie rasant die Entwicklung seitdem verlaufen ist, bezeugen zahlreiche Exponate – etwa die ersten klobigen Schreibtischgeräte von IBM und Apple oder die kiloschweren Olivetti-Rechenmaschinen der 60er-Jahre, die kaum mehr als die Grundrechenarten beherrschten. Halten Sie mal Ihr schickes, federleichtes Smartphone dagegen, das tausendmal mehr leistet als all diese Veteranen zusammen: Ist es nicht wirklich bemerkenswert, mit welchem Tempo sich das digitale Zeitalter von diesen Anfängen emanzipiert hat? Einen Besuch lohnt auch die Buchhandlung in der Pinakothek der Moderne: Sie ist eine einzigartige Fundgrube für opulente Bildbänden zu Kunst, Architektur, Design und Fotografie des 20. Jahrhunderts.

Zehn Museen mit einem Bus – das gibt es nur in München

Welche Pinakotheken München im Ganzen bietet, sehen Sie von der “Museumslinie” aus (Buslinie 100). Sie führt von der Station Hauptbahnhof-Nord bis zum Ostbahnhof und verbindet praktisch alle wichtigen Münchner Kunstsammlungen auf einer einzigen Strecke. Neben den drei “großen” Pinakotheken, der Sammlung Brandhorst und der Sammlung Schack liegen auch das Lenbachhaus, die Glyptothek, das Haus der Kunst, das Bayerische Nationalmuseum und die Villa Stuck direkt an der 100er-Route.

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