Von Öl selber machen bis Streetfood-Auflauf: Die kulinarischen Trends der Hauptstadt

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Die kulinarische Seite Berlins ist so bunt und vielfältig wie die Bezirke der Stadt. An beinahe jeder Ecke wartet ein anderes Genusserlebnis auf neugierige Geschmacksknospen. Wer mag, kann sich zurücklehnen und einfach genießen. Aber auch wer selbst aktiv werden möchte – an einem kulinarischen Workshop teilnehmen oder sogar Öl selber machen – findet in Berlin vielerlei Gelegenheit dazu.

Selbst gepresstes Öl

Die Ölmühle an der Havel ist hierfür eine der besten Anlaufstellen: Etwa einmal im Monat bietet der entsprechende Workshop einen Einblick in die Arbeit und das Produktsortiment der Ölmanufaktur. Weit reisen muss man dafür nicht: Die Manufaktur befindet sich mitten im Kreuzberger Bergmannkiez. Die Inhaber Dr. Frank Besinger und Sabine Stempfhuber begannen ihre kulinarische Reise in Kladow, im hintersten Zipfel Spandaus. Als das Geschäft sich entwickelte, nahmen sie die Havel einfach mit nach Kreuzberg. Zum Kreis ihrer treuen Kundschaft zählen Sternekoch Kolja Kleeberg und das Gourmetrestaurant „einsunternull”.

Besinger geht mit mir durch den hellen, freundlichen Laden und bietet mir bei jeder Gelegenheit Dinge zum Probieren an. Ich verkoste Granatapfel-Brownies und Brothappen mit selbst gemachtem Pesto, schnuppere an Ölen, beiße auf indonesischen Pfeffer. Als Kundschaft kommt, schildert er so begeistert die Vorteile des Aprikosenöls, dass direkt eine Flasche davon zum Pesto in die Einkaufstasche wandert. Dazu strahlende Gesichter und der Satz: „Wir kommen wieder!”

Das Geheimrezept: Begeisterung und Regionalität

Besingers Enthusiasmus ist ansteckend. Dabei ist er nicht etwa Doktor der Ökotrophologie, sondern ehemaliger Unternehmensberater. Als seine Frau spontan eine Lastwagenladung voller Gewürze erwarb, stieg er quasi notgedrungen ins ökologische Lebensmittelgeschäft ein und entdeckte seine Passion. Jeden Samstag steht er nun an der Ölmühle im hinteren Teil des Geschäfts. Seine Ölsaaten bezieht er fast ausschließlich von Brandenburger Biobauern, die er alle persönlich kennt. Die Lieferungen aus der Region sind für ihn und Sabine Stempfhuber besonders wichtig, ebenso wie der schonende Produktionsprozess: Während des Pressvorgangs wird die Öltemperatur sorgfältig überwacht, damit alle wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Zahlreiche Preise und begeisterte Pressestimmen bezeugen die hervorragende Qualität der hauseigenen Produkte. Wer Lust hat, sie zu verkosten und sich vor allem selbst einmal an der Ölmühle zu betätigen, ist dazu herzlich eingeladen – für nur 17 € pro Person und Workshop bei Zahlung mit Mastercard® können Sie nicht nur nach Herzenslust Öl selber machen und probieren, sondern am Ende auch das Ergebnis Ihrer Arbeit mit nach Hause nehmen.

Kulinarisches Markttreiben

Wer sich einen Überblick über die aktuellen Food-Trends der Hauptstadt verschaffen möchte, für den bieten die vielen Streetfood-Märkte dazu reichlich Gelegenheit. Die Markthalle Neun ist ein Mekka für Genießer. Von Dienstag bis Samstag ist Wochenmarkt, dazu kommen der Street Food Thursday und jeden dritten Sonntag im Monat der Breakfast Market. Den können Sie auch gut ausgeruht noch am Sonntagnachmittag ansteuern – Frühstück gibt’s hier nämlich bis 17 h. Ganz einfach ist die Entscheidung nicht, schließlich haben Sie die Wahl zwischen rappelvollem Eggs-Benedict-Stand, Quesadillas mit pochiertem Ei, Pulled-Pork-Burgern und saftigem New York Cheesecake. Bringen Sie ein paar Freunde und viel Zeit mit – beides hilft beim Navigieren durch das Gewusel. Viele Anbieter sind regelmäßig vor Ort, und bald werden Sie wissen, an welchen Ständen es Ihnen am besten schmeckt. Überhaupt sind die Berliner Märkte auch ein sozialer Sammelpunkt. Hier verabredet man sich mit Freunden und kommt mit den Verkäufern ins Gespräch – eine angenehme Abwechslung von der anonymen Schnelllebigkeit der Großstadt.

Slow Food erfahrbar machen

In der Markthalle Neun können Sie übrigens noch mehr tun als nur leckeres Essen zu sich nehmen: Regelmäßig finden hier Workshops, Verkostungen und Kochkurse statt. In der Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Markthalle lernen Interessierte aller Altersstufen unter anderem, wie man Kräuter bestimmt, Gemüse fermentiert und Schnaps brennt. Sommers wie winters bietet zudem der Naschmarkt Gelegenheit, jahreszeitlich passende Köstlichkeiten zu probieren. Bewusster Genuss steht über allem – schließlich kooperiert die Halle mit der Berliner Slow-Food-Initiative, die sich für eine nachhaltige, ökologische und klimaverträgliche Lebensmittelerzeugung einsetzt.

Egal ob Streetfood genießen oder Öl selber machen, eins steht fest: In der deutschen Hauptstadt besinnt man sich derzeit auf eine bodenständige, überwiegend regionale und gemeinschaftliche Form des kulinarischen Genusserlebnisses. Mehr davon!

  • Markthalle Neun

    Eisenbahnstraße 42-43, 10997 Berlin, Deutschland

    49 30 61073473

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