Holländisches Viertel in Potsdam: wiederentdeckte Gemütlichkeit

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Potsdam ist von Berlin aus schon wegen der beeindruckenden Schlösser und Parks einen Ausflug wert. Die Fahrt dorthin mit dem Regionalexpress dauert nicht mal eine Stunde. Aber die Hauptstadt Brandenburgs hat noch mehr zu bieten, gerade in der kalten Jahreszeit: Vor allem die nördliche Innenstadt, bekannt als holländisches Viertel, ist besonders schön.

Vom Hauptbahnhof liegt das holländische Viertel 25 Minuten zu Fuß oder eine Viertelstunde mit der Straßenbahn entfernt. Seine Rundgiebelhäuser und typisch verzierten Türpforten haben ihren ganz eigenen Reiz, gerade weil sie so ganz anders aussehen, als man es in Brandenburg erwarten würde. In den Kopfsteinpflastergassen fühlen Sie sich wie an die Nordsee versetzt, ins fortschrittliche Holland, das Friedrich Wilhelm I. so begeisterte, dass er ihm in Potsdam einen Stadtteil widmete.

Blick zurück: die Anfänge

Wo sich heute rote Backsteinhäuser mit gemütlichen Cafés befinden, lag im 18. Jahrhundert eine Sumpflandschaft wie im Spreewald. Der „Soldatenkönig” aber setzte trotzdem seine Vision um: Er ließ das Gebiet kurzerhand trockenlegen und dort die verzierten Traufen- und Giebelhäuser mit ihren ausladenden, weiß gerahmten und quadratisch verglasten Fenstern und den ansehnlichen grünen Fensterläden bauen, die auch heute noch das Stadtbild im Quartier prägen. Ein wahres holländisches Viertel sollte es werden: Eigentlich sollten so holländische Handwerker in die Stadt geholt werden, von deren Fachwissen und Geschäft man profitieren wollte. Aber es kamen bei Weitem nicht so viele wie erhofft, weshalb das holländische Viertel seinem Namen vor allem architektonisch gerecht wurde.

Auch in der DDR war nicht abzusehen, dass hier eines Tages attraktive Ateliers und interessante Geschäfte zum Bummeln einladen würden. Vor dem Mauerfall war das Viertel zumindest teilweise verfallen und hatte viel von seinem Charme eingebüßt. 1992 begann mit finanzieller Hilfe von Bund und Land die aufwendige Wiederherstellung, die 2014 abgeschlossen wurde. Und das hat sich gelohnt!

Die Gegenwart: bummeln, shoppen und Kultur

Dank der Sanierung können Sie heute gemütlich durch die schnuckeligen Gassen spazieren, die im Sommer von Tischen und Stühlen unter weit aufgespannten Sonnenschirmen gesäumt sind. Folgen Sie der Mittelstraße, kommen Sie an eben jenem Haus vorbei, wo sich der als „Hauptmann von Köpenick” berühmt gewordene Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt 1906 die Uniform für seinen größten Coup besorgte.

Ebenfalls in der Mittelstraße liegt das Café Poffertjes en Pannekoeken, wo Sie original holländische Reibe- und Pfannkuchen in einer gemütlichen Atmosphäre serviert bekommen. Wo früher mal ein Zigarrengeschäft war, wird heute die „Tradition des niederländischen Pfannkuchenhauses in der Potsdamer Innenstadt” wiederbelebt. Nach einer leckeren Portion Poffertjes, eine Art luftiger Mini-Pfannkuchen, und einer heißen Tasse Tee haben Sie vielleicht Lust auf Kultur und Stadtgeschichte. Dann sollten Sie sich das Jan-Bouman-Haus nicht entgehen lassen.

Jan-Bouman-Hau

Benannt nach dem Baumeister, unter dessen Anleitung das Viertel entstand, ist es heute das erste vollständig zugängliche historische Haus des als Einwandererviertel geplanten Stadtteils, das in seiner ursprünglichen Form weitestgehend erhalten ist. In unregelmäßigen Abständen finden hier Veranstaltungen statt, zum Beispiel Filmvorführungen oder Sonderausstellungen niederländischer Künstler. Aber auch ohne spezielles Event lohnt sich ein Besuch. Ein besserer Eindruck davon, wie das holländische Viertel im 18. Jahrhundert ausgesehen hat, ist schwer zu bekommen.

Maison Charlotte

Wenn Sie aber lieber shoppen gehen, lohnt sich ein Bummel durch die angrenzenden Straßen zu den verspielten Boutiquen mit ihren aufmerksam arrangierten Schaufenstern. Hier genießen Sie die Kombination aus holländischem Charme und Potsdamer Gemütlichkeit. Und bestimmt kommen Sie an einem Restaurant vorbei, zum Beispiel dem Maison Charlotte. Dieser Name klingt nicht nur sehr französisch für ein holländisches Viertel, sondern auch die Speisekarte ist französisch exquise: Verbringen Sie ein paar gemütliche Stunden bei leckerem Flammkuchen, einem ausgefallenen Menü mit Kaninchenrücken oder auch nur bei einem der exquisiten Weine, die hier ausgeschenkt werden.

Lassen Sie sich in der kalten Jahreszeit auch den holländischen Wintermarkt im Viertel nicht entgehen. Und wenn Sie am Abend wieder zurück nach Berlin fahren, haben sie eine kleine Europareise hinter sich gebracht – weniger als eine Stunde von der deutschen Hauptstadt entfernt.

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