Das JRE Genusslabor #6

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Am Restaurant einsunternull in der Nähe des Oranienburger Tors läuft man beim ersten Mal garantiert vorbei, denn von außen wirkt das edle Etablissement schlicht, fast unscheinbar. Links neben der schweren Eingangstür hängt eine bewusst rostige Metallplatte mit dem Namen des Restaurants. An diesem Montag hat Besitzer Ivo Ebert das einsunternull erstmals für die Spitzenkochvereinigung Jeunes Restaurateurs (JRE) geöffnet, die dort unter dem Titel Aromenvielfalt das Genusslabor #6 abhält.

Heute bieten die Köche der JRE noch speziellere und ausgefallenere Kreationen als normalerweise im einsunternull: Jeder Gang wird von einem anderen Spitzen-Chef aus dem Genussnetzwerk mit edelsten Zutaten kreiert. Insgesamt neun Gänge gibt es, die bisher noch nie auf einer Restaurantkarte gestanden haben. Das Genusslabor wird seinem Namen gerecht, hier können Top-Köche sich ausprobieren.

Die Location

Von außen unspektakulär, zeigt sich nach dem Betreten ein angenehm durchdachtes Restaurant mit warmer, gut platzierter Beleuchtung und einsehbarer Küche, die durch ein großes Fenster und eine gläserne Schiebetür vom ebenerdigen Gastraum getrennt ist. Die stilvolle Einrichtung besticht durch den Kontrast von dunklerem Holz und hellem Beton. Die Stühle sind bequem, die Tischdekoration ist zweckmäßig, aber mit Liebe zum Detail angelegt. Wo normalerweise das Lunch-Menü serviert wird, findet heute das Genusslabor statt.

Zum Frühstück führt der Gastgeber, Sternekoch Alexander Huber, aber erst mal nach unten. Im Keller-Gastraum gibt es ein bayerisches Weißwurstfrühstück. Auf der langen Anrichte, die vor dem tiefer gelegten Atrium platziert ist, sind neben den Weingläsern auch Tulpen und Weißbiergläser aufgereiht. Nach der Begrüßung durch den Gastgeber wird bei lockerer Atmosphäre gezutzelt. Offensichtlich fühlen sich die Gäste so wohl, dass Huber fast schon Mühe hat, sie alle wieder ins Erdgeschoss hinaufzubitten.

Genussnetz-Produkte inklusive

Oben sitzen Sie an stilvoll gedeckten Tischen, auf denen jetzt Proben von Genussnetz-Produkten präsentiert werden. Zwischen den Gängen stellt ein Produzent aus dem Genussnetz seine ganz besonderen Lebensmittel vor. Fachwissen und Begeisterung für die eigenen Produkte machen selbst Alltägliches wie Olivenöl oder Apfelsaft zu einem echten Genuss-Erlebnis.

Die Köche richten auf der Theke einen Beispiel-Teller ihrer neuen Kreation an und erläutern die Zubereitung. Der begleitende Wein wird von den Vertretern der zuständigen Weingüter empfohlen. Da weder die Gerichte noch die Wein-Kombination bisher im großen Rahmen getestet wurden, ist alles ein Experiment – ein unfassbar leckeres.

Unter anderem gibt es heute Taubenbrust – ein geschmackliches Ausnahmeerlebnis. Und beim Hauptgang wird es noch interessanter: Daniel Schmidthaler würzt nur mit Salz und Waldaromen, die auf verschiedene Art und Weise eingearbeitet wurden. Fasan, sowieso schon nicht das alltäglichste Fleisch, wird so zum köstlichen Event für Gaumen und Zunge.

Treffen mit dem Küchenteam

Sterneköche beurteilen andere Spitzen-Chefs: Im einsunternull ist heute geballtes kulinarisches Fachwissen versammelt. Bei den Feedbackrunden nach jedem Gang ist die Kritik ehrlich und konstruktiv. Das vorgestellte Gericht soll verbessert werden, damit es einmal auf einem Dinner-Menü stehen kann. Auch die Lebensmittelproduzenten geben Tipps, wie ihre Produkte noch effektiver verwertet werden können.

Während nacheinander die Gänge vorbereitet, präsentiert und serviert werden und die Angehörigen des Genussnetzes am Nebentisch scherzen, sind Sie eingeladen, sich auch in der Küche umzusehen. Eine Vielzahl von großartigen Einzelkönnern hat sich hier versammelt, aber nur die perfekte Organisation macht sie zu einem funktionierenden Team, das neun Gänge als Gesamtkunstwerk präsentiert. Die Chefs servieren selbst, hier werden keine künstlichen Barrieren aufgebaut, man duzt sich, alle probieren und lachen zusammen.

Nach dem zweiten Dessert, einer Schokoladen-Mousse mit Rosenmarmelade, Safraneis, Quittensoße und Graukäsebällchen mit passender Weinbegleitung, neigt sich ein langer, leckerer Tag dem Ende entgegen. Und ganz anders, als Sie es erwartet haben, würden Sie am liebsten noch weiteressen. Einfach nur, weil alles so gut geschmeckt hat – ein außergewöhnlicher Genuss, gepaart mit geballtem, kulinarischem Fachwissen.

  • einsunternull

    Hannoversche Straße 1, 10115 Berlin

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