Workshop für Portraitfotografie mit Mirjana Vrbaški: Die Enthüllung der Komplexität

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Dass Mirjana Vrbaški keine alltägliche Fotografin ist, werden Sie bei ihrem Workshop für Portraitfotografie schnell merken. Das fängt schon bei ihrer Lebensgeschichte an: Die gebürtige Serbin wuchs in Kanada auf und fand schließlich in den Niederlanden, an der Königlichen Akademie der Künste in Den Haag, zur Portraitfotografie. Dass sie dort studierte, war, wie sie sagt, ihre „Bestimmung” – und die war Mirjana Vrbaški wichtig genug, dass sie ihre Karriere im Kommunikationsbereich aufgab. Ein großer Schritt, auch weil sie ihr früheres Ich als „sehr introvertiert” bezeichnet. Selbst das Fotografieren von Menschen fiel ihr zunächst schwer. Bis zu ihrer ersten Portrait-Aufgabe während des Studiums, die ihr „eine völlig neue Welt” öffnete: „Seitdem kann ich nicht mehr damit aufhören. Ich kann nichts anderes machen, als Menschen zu fotografieren, weil es gleichzeitig so faszinierend und so herausfordernd ist. Ein menschliches Wesen ist so komplex, dass es so aufregend ist, zu versuchen, die Komplexität einer Person in einem Bild einzufangen. Das hat mich seitdem, also seit etwa 2008, in seinen Bann gezogen.”

Lebensmittelpunkt: Berlin

Ihre Entscheidung für ein Leben als Künstlerin hat sich gelohnt: Ihre Portraits wurden bereits während ihres Studiums mehrfach ausgezeichnet, genauso wie ihre Abschlussarbeit und einige folgende Projekte. 2011 kam Vrbaški schließlich nach Berlin. Was als Zwischenstopp geplant war, wurde ein langfristiges Projekt: „Wir wollten nur für ein paar Monate bleiben. Dann beschlossen wir spontan, länger zu bleiben, eine Familie zu gründen. Jetzt habe ich ein Kind und Berlin ist unser Zuhause”, erzählt die Künstlerin. Ihr Studio, in dem auch der Workshop für Portraitfotografie stattfindet, ist in Prenzlauer Berg, nahe dem Volkspark Friedrichshain. Ich betrete einen unscheinbaren Altbau in der Cotheniusstraße, große Bäume säumen die ruhige Straße. Im Erdgeschoss begrüßt mich Mirjana Vrbaški mit sanfter Stimme und einem kräftigen Händedruck. Im geplanten Chaos des kleinen Studios, das sie sich mit einer anderen Fotografin teilt, wirkt sie, als stünde sie über den Dingen.

Ihr Stil: Blick unter die Oberfläche

Das Chaos versucht sie in ihren Portraits zu eliminieren – zumindest das offensichtliche. „Ich entferne viele Schichten. Dinge, von denen Leute denken, dass sie etwas über ihre Persönlichkeit aussagen, zum Beispiel Kleidung mit Aufschriften, bestimmte Haarschnitte. Das sind kommunikative Codes, die wir benutzen, um uns selbst zu repräsentieren. Ich jedoch denke, dass etwas viel Essenzielleres unter all diesen Dingen verborgen ist. Und das versuche ich in meinen Portraits zu erreichen: eine tieferliegende Ebene. Eine Gemeinsamkeit, die in allen von uns liegt, die jedoch meistens von diesen oberflächlichen Dingen verborgen gehalten wird.” Um zu beurteilen, ob ihr das gelingt, muss man sich ihre Arbeiten ansehen. Mirjana Vrbaškis Portraits wirken oberflächlich betrachtet einfach. Ihre Modelle tragen einfarbige Oberteile, sie zeigen keine überschwenglichen Emotionen, kein Lachen, keine Tränen. Auch der Hintergrund ist einfarbig, nichts lenkt vom portraitierten Gesicht ab. Aber gerade deshalb ist in den Gesichtern, den Blicken, den Körperhaltungen so vieles enthalten. Das ist genau die Komplexität, nach der die Künstlerin sucht. „Es ist so endlos faszinierend für mich, dass etwas so einfaches wie ein Gesicht all diese verschiedenen, sich widersprechenden Emotionen gleichzeitig vermitteln kann. In einem Bild, das tatsächlich nur ein zweidimensionales Blatt Papier ist.”

Der Workshop: den eigenen Stil finden

All das beschreibt natürlich nur ihre persönliche Herangehensweise. Ihrer Meinung nach muss jeder Mensch, der Portraits fotografieren möchte, seinen eigenen Weg und Stil finden. Sie jedenfalls sei naiv über ihren Stil gestolpert, manchmal habe sie noch heute das Gefühl, ihre Arbeit sei schneller, mächtiger als sie selbst: „Es ist ein andauernder Prozess.” Und das möchte sie auch in ihrem Workshop für Portraitfotografie vermitteln. Dort soll es nicht darum gehen, den Teilnehmenden ihren Stil beizubringen. Ebenso wenig will sie eine Lehrerin sein, die jedes technische Detail, von der Einstellung des Lichts über die Belichtungszeit bis hin zur Positionierung des Modells, erklärt und bestimmt. Stattdessen sollen die Teilnehmenden ihre persönliche Herangehensweise finden und lernen. Mirjana möchte sie auf dem Weg dorthin begleiten und, wenn nötig, leiten: „Es geht darum, dass die Leute entdecken, was sie selbst an einem Portrait aufregend finden. Und dann müssen sie lernen, das zu erreichen und zu vertiefen, um ein erfolgreiches Bild in ihrem eigenen Stil zu produzieren.”

„Viele Menschen, die keine professionellen Fotografen sind, haben ein Problem: Sie denken, es gebe Regeln. Regeln, die bestimmen, was gut und was schlecht ist. Was für mich zählt, ist, dass es keine Regeln dafür gibt. Es gibt nur das, was dich bewegt und was für dich steht. Du realisierst, dass dein Geschmack und deine Präferenzen eine Berechtigung haben”, sagt die Künstlerin. Wenn Sie sich davon überzeugen wollen, lernen Sie Mirjana Vrbaški einfach selbst kennen – wir wünschen Ihnen viel Spaß bei ihrem Workshop.

STUDIO VRBAŠKI

11 Cotheniusstraße Berlin Berlin 10407

+49 (170) 604-1363

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