All The World’s A Stage: Berliner Bühnen abseits des Mainstreams

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Kultur ist einer der Hauptanziehungspunkte der deutschen Hauptstadt. Gleich ob Musik, Tanz, Theater oder Bewegtbild-Installation: Die Berliner Bühnen sind bekannt für ihre Vielfalt. Auch jenseits von Friedrichstadtpalast und Berliner Ensemble hat die Stadt an der Spree kulturell vieles zu bieten.

Vom Krematorium zum Kulturquartier

Mitten im Berliner Stadtteil Wedding, direkt neben dem Urnenfriedhof Gerichtstraße, liegt das silent green Kulturquartier. Noch ist es ein echter Geheimtipp unter den Fans der Berliner Bühnen, obwohl es bereits seit etwa einem Jahr als Standort für die unterschiedlichsten Veranstaltungen fungiert: Konzerte, Podiumsdiskussionen, Lesungen, Ausstellungen, Workshops. Als ich das Haus besuche, wirkt es in der Abenddämmerung beinahe mystisch, regelrecht verwunschen. Kein Wunder, befindet sich das Kulturquartier doch in den Räumlichkeiten eines alten Krematoriums. Nachdem das Krematorium 2001 geschlossen worden war, ging das Areal in private Trägerschaft über – ein Glücksgriff, denn seitdem wurde hier aufwendig saniert. Unter Beachtung der Denkmalschutzbedingungen und bautechnischen Eigenheiten wurde das Objekt behutsam in eine kontemporäre Veranstaltungsstätte umgewandelt, mit jeder Menge Raum für Kultur. Die alte Trauerhalle im Zentrum des Altbaus fasst etwa 400 Zuschauer. Leider bleibt die Bühne an diesem Abend leer. Doch während ich mich in dem sakralen Kuppelbau umsehe, kann ich mir gut vorstellen, was für ein besonderes Erlebnis es sein muss, hier auf der zweistöckigen Empore zu stehen und einem Konzert zu lauschen.

Kultur im Untergrund

Die Kuppelhalle ist nicht der einzige bespielte Raum vor Ort: Zu meiner Überraschung ist das Gelände des silent green vollständig unterkellert. Die Betonhalle des erst Ende der 1990er-Jahre entstandenen Neubaus birgt ganz andere Qualitäten als die fast schon gemütliche Trauerhalle. Schon die gefliesten Vorräume – und dort die alten Öfen – sorgen für atmosphärisches Gruselfeeling. Der weitläufige Hauptraum des Kellergeschosses mit seinem industriellen Charme wird derzeit zu einem weiteren Veranstaltungsraum umgebaut. Hier sollen künftig vor allem Bewegtbild-Installationen Platz finden. Schon jetzt wird der Raum immer wieder für Film- und Fotoshootings genutzt.

Tanz auf Berliner Bühnen

Das Dock 11 in Prenzlauer Berg setzt da einen ganz anderen Schwerpunkt: Hier steht ganzjährig der zeitgenössische Tanz im Mittelpunkt. Das alte Fabrikgebäude in der Kastanienallee beherbergt neben der Theaterhalle zwei große Tanzstudios sowie einen zusätzlichen Produktionsraum und ist ein Zentrum für alle Bewegungsenthusiasten. Der wöchentlich wechselnde Spielplan knüpft weit verzweigte Verbindungen zwischen Tanz, Theater, Performance, Literatur, Musik, bildender Kunst, Film und Club-Art. Die Betreiber legen auch auf ihren pädagogischen Ansatz wert, um den Tanz nahbar und lebendig zu erhalten. An zahlreichen Tanzkursen nehmen hier und im 2009 eingeweihten Pankower Schwesterhaus jede Woche etwa 900 Schülerinnen und Schüler teil – die jüngsten sind gerade 2, die ältesten über 60 Jahre alt.

Freies Theater im alten Fernmeldeamt

An dieser Spielstätte ist der Name nicht Programm: Der Theaterdiscounter produziert keineswegs Billigkost. Mit dem Namen wird vielmehr auf die Konsumkultur und die hauseigenen Produktionsbedingungen angespielt, denn in der Gründungszeit musste man hier ohne öffentliche Fördermittel auskommen. Seit 13 Jahren widmet sich die Bühne nahe dem Alexanderplatz schon dem zeitgenössischen Theater. Der ursprünglich eher experimentelle Schwerpunkt verlagerte sich über die Jahre eher zum Etablierten. Das ist mutig, denn die Konkurrenz unter den Berliner Bühnen ist groß. Dennoch braucht das Theater den Vergleich mit den großen Häusern nicht zu scheuen: Immer wieder gelingt es im Theaterdiscounter, neuartige Ansätze zu entwickeln, die teils aktuelle gesellschaftliche Debatten aufgreifen und dabei noch Spaß machen.

Nicht ganz so interaktiv, aber ebenso unterhaltsam ist das Variete-Programm des Chamäleon Theaters in den Hackeschen Höfen ganz in der Nähe. Inhaber einer Mastercard® erhalten dort 20 % Preisnachlass auf den regulären Eintrittspreis sowie einen prickelnden Begrüßungsprosecco.

  • Dock 11

    Kastanienallee 79, 10435 Berlin, Germany

    49 30 4481222

  • Theaterdiscounter

    Klosterstraße 44, 10179 Berlin, Germany

    49 30 28093062

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